Beim Spaziergang durch Wald, Park oder Stadt können wir auf Wildtiere in freier Natur treffen. Nicht immer ist sofort klar, ob ein Tier wirklich Hilfe braucht. Falsches Handeln kann sowohl für das Tier als auch für den Finder gefährlich sein. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Wildtiere richtig erkennen, sichern und betreuen, ohne sich selbst oder das Tier zu gefährden.
Wann sollte ein Wildtier aufgenommen werden?
Nicht jedes Tier ist automatisch hilfsbedürftig. Bitte greifen Sie nur ein, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:
- Das Tier hat blutende Wunden oder andere offensichtliche Verletzungen.
- Es handelt sich um ein Jungtier ohne Fell, das an einem gefährlichen Ort liegt (z. Fahrbahn) oder von der Mutter seit mehr als einer Stunde nicht besucht wurde. Beobachten Sie das Jungtier dabei aus der Entfernung, um das Muttertier nicht zu verschrecken.
- Es ist ein Jungvogel ohne Federn (Nestling). Diese Tiere dürfen niemals am Boden weitergefüttert werden.
- Ein nachtaktives Tier (z. Igel, Siebenschläfer, Eulen) wird tagsüber gefunden.
Sicherheit geht vor – Tiere richtig einfangen
Wildtiere niemals ohne Sicherheit einfangen. Große, aggressive Tiere wie Biber, Rehe, Füchse oder Marder dürfen nur von Fachstellen oder der Tierrettung betreut werden. Eigene Eingriffe an gefährlichen Orten (Baustellen, Autobahnen, stark befahrene Straßen) sind lebensgefährlich.
Anlaufstelle bei Unsicherheiten:
- Wildtierhilfe Wien, erreichbar Mo–Sa von 8–13 Uhr: +43 676 382 15 28
- Website: wildtierhilfe-wien.at
Vorbereitung eines sicheren Transportbehältnisses
Bevor Sie ein Tier aufnehmen, bereiten Sie einen geeigneten Transporter vor:
- Katzentransporter für größere Tiere, Kartons oder Schuhkartons für kleine und mittelgroße Tiere.
- Bodenauskleidung mit Küchenrolle, Stroh oder Heu, um ein Ausrutschen zu verhindern.
- Luftlöcher in den Deckel stechen, nicht in die Seiten (keine Angriffsflächen für das Tier).
- Klebeband zum sicheren Verschließen vorbereiten.
- Wärmequelle für nackte Jungtiere: lauwarmes Thermophor, Kirschkernkissen oder Einweghandschuh mit warmem Wasser.
Tiere sicher anfassen und transportieren
- Dicke Arbeitshandschuhe tragen (keine Garten- oder Gummihandschuhe).
- Decke oder Handtuch nutzen, damit das Tier sich nicht verletzt oder zubeißt.
- Tier um Bauch oder Brustkorb umfassen, nicht am Kopf, Schwanz oder den Beinen hochheben.
- Tier vorsichtig in den Transporter legen, wenn möglich Hilfe durch eine zweite Person.
- Transporter gut verschließen und auf Sicherheit überprüfen.
Verhalten von agilen Wildtieren
Manchmal sind Wildtiere nicht ruhig und versuchen zu fliehen:
- Locken Sie das Tier in den Transporter, z. mit Futterspuren.
- Nutzen Sie eine große Decke oder einen Kescher, um das Tier einzufangen.
- Bei Nacht kann eine kurze Taschenlampenblendung (ca. 5 Sekunden) helfen, Tiere ruhig einzufangen.
Wichtige Hinweise
- Jedes Tier ist individuell, die Artenvielfalt in Wien ist groß. Ein scheinbar hilfsbedürftiges Tier ist nicht automatisch in Not.
- Beobachten Sie Jungtiere aus der Entfernung, bevor Sie eingreifen.
- Wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie die Wildtierhilfe Wien, bevor Sie ein Tier aufnehmen.
Hilfe und Beratung
Die Wildtierhilfe Wien bietet kompetente Unterstützung für Wildtierfunde und Pflegestellen in Österreich. Sie steht Ihnen telefonisch oder online zur Verfügung, um sicherzustellen, dass die Tiere fachgerecht versorgt werden.
Website & weitere Infos: www.wildtierhilfe-wien.at
Unser Rat als Tierärzte
Wir danken allen Tierfreund:innen, die nicht wegschauen und sich engagieren. Verantwortungsbewusstes Handeln rettet Leben – sowohl für das Wildtier als auch für Sie selbst. Beobachten Sie Tiere, handeln Sie nur bei klarer Notwendigkeit und nutzen Sie die Hilfe von Fachstellen. So leisten Sie einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt in Wien und die Sicherheit der Tiere.